Blasenentzündung & Telephon-Beratung

Die Mitteilung ist mehr als 20 Jahre alt, aber in Corona-Zeiten aktueller denn je. Muss jede Frau mit einer Blasenentzündung auf einen Termin beim Arzt warten? Oder könnte man eine telefonische Beratung rechtfertigen?  Wie unterscheide ich, ob die Betroffene persönlich zur Untersuchung erscheinen muss?

Cleveland Clinic (USA) Erfahrungen

Die Beschwerden bei einer Blasenentzündung sind so typisch, dass die Sicherheit der korrekten Selbstdiagnose bei über 90 % liegt.

Deshalb wurde an der Cleveland Clinic seit 1992 versucht, mit einer Telephonbefragung die Patienten sinnvoll zu lenken. Es sollte unterschieden werden, wer persönlich vorstellig werden muß, um abgeklärt zu werden und wer ohne eine ärztliche Untersuchung behandelt werden kann.

Welche Beschwerden müssen abgefragt werden?

Bei der telefonischen Befragung der Cleveland-Clinic wurden folgende Beschwerden erfragt. Wurden sie überwiegend bejaht, wurde eine unkomplizierte Blasenentzündung sehr wahrscheinlich:

  • Schmerzen beim Wasser lassen?
  • Vermehrte Blasenentleerung?
  • Ständige Drangbeschwerden?
  • Schmerzen in der Blasengegend?

 

Um sicher zu sein, dass eine ungefährliche, unkomplizierte Blasenentzündung vorliegt, wurde zusätzlich gefragt, ob folgende Symptome nicht vorlagen. Denn die wären ein Hinweis auf eine Beteiligung anderer Organe, insbesondere der Nieren. Es muss eine Entzündung des Nierenbeckens und ein Übertritt der Bakterien in das Blut ausgeschlossen werden!!!!

Außerdem werden Risikofaktoren (z.B. Diabetes) oder andere beeinflussende Ursachen (z.B. kürzlich stattgehabt Operationen) abgefragt. All das muss dann separat beurteilt werden, das geht nicht telephonisch!

  • Flankenschmerzen
  • deutliche Bauchschmerzen
  • Fieber oder Schüttelfrost
  • Diabetes
  • Schwangerschaft
  • jede immunsupprimierende Erkrankung
  • vor kurzem erfolgte instrumentelle Manipulation wie Blasenspiegelung oder Anlage eines Blasenkatheters
  • bekannte urologische Erkrankungen
  • immer wiederkehrende Blasenentzündungen
  • früher bekannte Nierenbeckenentzündungen
  • kürzlich durchgeführte Operationen
  • vaginaler Ausfluss
  • derzeitige Einnahme von Antibiotika

Wurden alle diese Fragen verneint, konnte man mit größter Wahrscheinlichkeit von einer unkomplizierten Blasenentzündung ausgehen.

Wurde eine der Fragen bejaht, wurde zu einer Vorstellung in der Klinik geraten. Dann erfolgten

  • eine körperliche Untersuchung
  • Blutanalysen auf Entzündungswerte
  • Ultraschall von Nieren und Blase und Bauch
 
Was weiter tun?

Die Therapie vor ca. 20 Jahren war eine andere Therapie als heutzutage. Die Betroffenen können heute – nach wissenschaftlich bewiesenen Daten – über mehrere Therapien bei einer unkomplizierten Blasenentzündung informiert werden:

  • Trinken und Schmerzmittel (66 % Erfolgsaussichten)
  • Trinken und pflanzliche Präparate ( 80 % Erfolgsaussichten)
  • Antibiotika ( 1-Tages oder 3-5 Tages-Therapie bis 89 % Erfolgsaussichten)
 

Allerdings ist das Risiko einer Nierenbeckenentzündung bei Variante A mit Trinken und Schmerzmittel und bei Variante B etwa 3 % höher als bei einer sofortigen Einnahme eines Antibiotikums.

Aber es ist immer möglich, zunächst den „nicht-antibiotischen“ Weg zu wählen und – sollte es nicht besser werden oder Fieber und Flankenschmerzen auftreten – dann nachgeschaltet Antibiotika einzunehmen.

Botschaft am Ende

Ohne in die abgehobene Diskussion einzusteigen, wer sich beim Arzt persönlich vorstellen muss oder wer das telephonisch oder digital machen kann: Für die Blasenentzündung gibt es gute Gründe, eine telefonische Beratung zu ermöglichen, wenn sie standardisiert abläuft:

  • die guten Ergebnisse der Cleveland-Klinik
  • der alltägliche Ablauf in Praxen und Kliniken und
  • zeitliche und inhaltliche Notwendigkeiten, weil man den ärztlichen Notdienst entlasten will und muss
  • weil es hilfreiche Unterscheidungsmerkmale gibt, wer zum Arzt / in die Klinik gehen muss (z.B. Fieber & Flankenschmerzen)

 

Wichtig ist: eine telefonische Beratung kann mit einer hohen Sicherheit erfolgen, da die klinischen Hinweise für eine unkomplizierte Blasenentzündung gut abzufragen sind. Hat man Hinweise für einen komplizierten Verlauf (Fieber, Flankenschmerzen), reicht eine telephonsche Beratung nicht aus. Dann müssen sich die Betroffenen beim Arzt vorstellen. Und es muss eine Urintestung auf Keime und deren Sensibilität auf Antibiotika erfolgen (sogenanntes Antibiogram).

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