Wann wird eine Blasenentzündung gefährlich ?

Eine schockierende Nachricht verbreitete sich 2009 – das brasilianische Topmodel Mariana Bridi da Costa, die mehrere internationale Schönheitswettbewerbe gewonnen hatte, starb mit 20 Jahren an den Folgen einer Harnwegsinfektion. Alles fing harmlos mit einer Blasenentzündung an – dann kam es zu einer Blutvergiftung (Blutstrominfektion oder Urosepsis). Der Körper der bildhübschen Frau wurde mit Bakterien und den dadurch gebildeten Giftstoffen überschüttet, es kam zu einer sogenannten Sepsis. Obwohl man ihr in mehreren Notoperationen Teile des Magens und ihrer Extremitäten amputierte, kam am Ende jede Hilfe zu spät. Einige Tage nach der Notfalleinweisung und mehreren verstümmelnden Operationen zur Entfernung der streuenden Herde verstarb das erfolgreiche brasilianische Topmodel.

Wenn sich Bakterien über das Blut verbreiten ….

Solange die Bakterien in dem Hohlraum Blase (1) sind, können sie in aller Regel nicht in den Blutkreislauf und damit in das Körpersystem einbrechen. Die abwehrende Blasenschleimhaut bezahlt die Abwehr mit einer Entzündungsreaktion und Schmerzen, aber es kommt zu keinen gestreuten Entzündungen. Steigen die Bakterien aber über den Harnleiter (2) nach oben in die Niere (3), ist das Risiko einer Streuung der Bakterien in den Blutkreislauf (4) deutlich größer. Man spricht bei dieser entzündlichen Nierenbeteiligung von einer Nierenbeckenentzündung, einer sogenannten Pyelonephritis.

Wie merke ich, ob es gefährlich wird ?

Der entscheidende Unterschied ist das Fieber. Eine Blasenentzündung macht fast nie Fieber, es sei denn, in der Blase liegt eine Verletzung wie nach einer Operation vor. Steigen aber die Bakterien über den Harnleiter nach oben in die Nieren, kommt es zur Entzündung des Nierenbeckens mit Fieber und Schüttelfrost. Die Betroffenen haben zudem Schmerzen in der Flankengegend und oft Übelkeit und Erbrechen. Warum ist der Unterschied wichtig ? Bei den Betroffenen muss eine kalkulierte Antibiose erfolgen, die dann nach dem Antibiogramm gegebenenfalls geändert wird (gezielte Antibiose). Im Blut müssen müssen die Entzündungswerte bestimmt und je nach Verlauf kontrolliert werden (Leukozyten, CRP =Creaktives Protein). Keinesfalls dürfen die Antibiotika zu früh abgesetzt werden, eine 1-3-tägige Einnahme wie bei der Blasenentzündung reicht nicht aus. Um einen Nierenschaden zu vermeiden, muß die Dauer 7 Tage betragen.

Und was könnte sonst passieren ?

Selten, aber gefürchtet, ist eine eitrige Umwandlung des befallenen Nierengewebes. Man spricht dann von einem Abszess. Deshalb muss beim Verdacht auf eine Entzündung des Nierenbeckens eine Ultraschalluntersuchung oder eventuell sogar ein Röntgen erfolgen. Findet man einen Abszess, muss dieser eventuell durch eine Punktion und die Anlage eines Schlauches als Drainage entlastet werden. In jedem Fall ist solch eine Komplikation gefährlich.