Blasenentzündungen operativ heilen: Teil 1

Wiederkehrende Blasenentzündungen sind häufig und schwierig zu behandeln. Das ändert sich, wenn eine greifbare Ursache gefunden werden kann, die zu den wiederkehrenden Einschwemmungen der Bakterien führt. Dann besteht die Chance, durch einen operativen Eingriff das Problem zu lösen. Eine Ursache kann eine Ausstülpung der Harnröhre sein, ein sogenanntes Divertikel.

Was weist auf ein Harnröhrendivertikel hin?

Meist ist es für die Betroffenen eine diagnostische Odyssee. Sie haben seit langem unspezifische Beschwerden. Aber kaum einer denkt daran und zudem ist der Nachweis erschwert. Das hat sich zwar mit der zunehmenden Verbreitung des Ultraschalls von der Scheide aus verändert, trotzdem muss man daran denken. Was sind häufige Symptome?

  • wechselnde Schmerzen im Mündungsbereich der Harnröhre
  • Urinverlust und Drangbeschwerden (durch den Reiz in der Harnröhre)
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • wiederkehrende Harnwegsentzündungen
  • eine tastbare Schwellung im vorderen Scheidenbereich
  • Sekretverlust über die Harnröhre beim Druck von der Scheide aus

Wie kommt es zu einem Divertikel der Harnröhre?

Die Harnröhre hat in der Wand kleine Drüsen, die die Harnröhre vor einer Austrocknung schützen. Diese vorgeformten Hohlräumen bilden die Grundlage der Ausstülpung, die dann wie ein Rucksack aus der Wand der Harnröhre herausragen. Später – mit zunehmender Größe – kann man an der vorderen Scheidenwand die Ausbeulung tasten. In den Divertikeln sammelt sich ein (meist entzündetes) Sekret-Uringemisch, selten Steine und ganz selten auch bösartige Zellformationen.

Wie kann man so ein Divertikel der Harnröhre feststellen?

Je nach Größe solch eines Divertikels kann es schwer sein, es nachzuweisen. 

  • klinischer Hinweise: Sekretverlust bei Druck auf die Harnröhre von der Scheide aus
  • Blasenspiegelung (Mündung des Divertikels meist aber sehr schwer zu erkennen)
  • Röntgen von Blase und Harnröhre bei der Blasenentleerung mit Kontrastmittel (aber nur noch selten gemacht)
  • Kontrastuntersuchung Harnröhre mit einem „Doppelballon“
  • Ultraschall von der Scheide aus (Vorsicht: dabei kann man das Divertikel leer drücken, dann ist es nur noch schwer zu erkennen)
  • Kernspin (Magnet-Resonanz)-Untersuchung des kleinen Beckens.

Untersuchungen mit Kontrastmittel, bei denen sich das Divertikel darstellt, werden heute nur noch selten gemacht. Der Grund hierfür ist auch die zunehmende Verbreitung des Ultraschalls von der Scheide aus und die Magnet-Resonanz-Untersuchung (MRT). Insbesondere durch das MRT haben sich die Nachweischancen erhöht.

Was kann man therapeutisch machen?

Wenn Beschwerden bestehen, sollte man das Divertikel entfernen. Andernfalls besteht das Risiko, dass es schlimmer wird

Die Entfernung des Divertikels kann je nach Größe und Lage schwierig sein, da man den Schließmuskel schonen muss. Die Operation erfolgt von der Scheide aus und nach Abtragung des Divertikels muss die zuführende Öffnung, die die Verbindung zur Harnröhre darstellt, verschlossen werden. 

 
 
Botschaft am Ende

Solche Divertikel der Harnröhre sind selten. Leider werden sie aber auch oft übersehen, weil es nicht einfach ist, sie bildgebend nachzuweisen. Eine gute Technik ist der Ultraschall von der Scheide aus. Man muss aber aufpassen, das Divertikel beim Einführen des Schallkopfes nicht auszupressen – denn dann ist es kaum noch erkennbar.

Wenn sie wiederkehrende Blasenentzündungen haben, denken sie mit an so ein Divertikel. Denn dann liegt eine anatomische Ursache der wiederkehrenden Blasenentzündungen vor. Und mit der operativen Abtragung durch einen erfahrenen Urologen hat man eine hohe Chance, von den Blasenentzündungen befreit zu werden.