Mittelstrahlurin & Blasenschmerzen

Wenn sie Blasenschmerzen haben und in eine Arztpraxis gehen, wird man Ihnen  sagen: „Geben Sie uns bitte einen Mittelstrahlurin ab“. Was ist das? Die geometrische Mitte des Urinstrahls? Nein, es ist eine Urinprobe im zeitlichen Mittel der Blasenentleerung, damit der anfängliche Harnstrahl erst einmal den äußeren Weg „säubert“. Dieser Urin hat eine sehr wichtige Aussagekraft! 

Warum ist das so wichtig?

Der Mittelstrahlurin ist von herausragender Bedeutung, weil er einfach zu erhalten ist und bei richtiger Analyse wegweisend für das weitere Tun ist. Denn bei Blasenschmerzen 

  • will man wissen, ob der Urin Entzündungszeichen aufweist
  • dann findet man typischerweise weisse Abwehrzellen (Leukozyten), Blut und Nitrit
  • aber: wenn wegen der Entzündung die Blase in kurzen Abständen entleert wird, haben die Bakterien nicht genug Zeit, den Harnstoff im Urin in Nitrit umzuwandeln.
  • dann kann eine Blasenentzündung vorliegen, auch wenn man kein Nitrit im Urin findet (aber weisse Zellen = Leukozyten und Blut)
  • aber auch wenn Sie keine Schmerzen haben und wegen einer Vorsorge kommen, ist ein richtig „produzierter“ Mittelstrahl wichtig.
  • denn scheidet man zu viel Eiweiss im Urin aus, ist das hinweisend für eine Nierenerkrankung
  • scheidet man zuviel Zucker mit dem Urin aus, liegt möglicherweise ein bislang unentdeckter Diabetes vor.
  • scheidet man Blut im Urin aus, muss man einen Blasentumor ausschließen
 
Gibt es denn keine Alternative zum Mittelstrahlurin?

Doch, aber es ist viel unangenehmer oder aufwendiger. Will man eine „unbeeinflusste“ Urinmenge, muss der Urin entweder mit einem sterilen Katheter aus der Blase entnommen oder mittels Punktion durch die Haut aus der vollen Blase entnommen werden. In seltenen Fällen ist das notwendig, meist reicht jedoch ein korrekter gewonnener Mittelstrahlurin. 

Mittelstrahlurin: Wie geht das genau?

Die Uringewinnung ist bei Frauen schwieriger als bei Männern. Was man will, ist letztlich eine Selbstreinigung der Harnröhre und der Mündung der Harnröhre durch den ersten Teil der Urinmenge. Und dann gewinnt man den zeitlich mittleren Teil als Urins aus der „vorgereinigten“  Harnröhre. Wie geht das?

  • Schritt 1: Hände reinigen
  • Schritt 2: Reinigung der Mündung der Harnröhre von oben nach unten !!!, also von oben gelegenen Harnröhre nach unten zum Eingang der Scheide.
  • Schritt 3: Lassen Sie eine kleine Menge Urin ablaufen, damit dadurch der  Innenbereich der Harnröhre, aber auch der Mündungsbereich der Harnröhre gereinigt oder gespült wird.
  • Schritt 4: Dann müssen Sie den nachfolgenden Urin in einem Becher auffangen. Mit einer Hand spreizen Sie die Schamlippen, damit nicht fälschlicherweise Hautkeime in den Urin kommen, mit der anderen Hand halten Sie den Urinbecher vor die Mündung der Harnröhre. Dieser Urin ist der berühmte Mittelstrahlurin.
  • Schritt 5: Danach können Sie den Rest der Blase entleeren.

Wie wird der Urin weiter untersucht

Meist wird der Urin mit Teststreifen analysiert. Diese Teststreifen sind heute eine Selbstverständlichkeit, waren aber bei ihrer Ersteinführung 1956 eine Revolution. Auf den Teststreifen sind Felder mit chemischen Substanzen aufgetragen, die mit einem Farbumschlag reagieren. Damit kann man Blut oder Blutfarbstoff, Zucker, Eiweiß und andere chemische Substanzen nachweisen.

Bei bestimmten Fragen ist es notwendig, eine ergänzende Urinanalyse mit dem Mikroskop durchzuführen. Nur so kann man beispielsweise feststellen, ob es sich bei einem Nachweis von Blut im Urin um Blutfarbstoff oder richtige Blutzellen handelt. Auch außergewöhnliche Entzündungen wie durch Pilze kann man damit feststellen.

Botschaft am Ende

Der Mittelstrahlurin wird in seiner Bedeutung oft unterschätzt und vermutlich zu oft nachlässig durchgeführt. Das hat dann für die Betroffenen Konsequenzen, weil weitere Schritte möglicherweise in die falsche Richtung führen. Korrekt durchgeführt, ist er ein guter „Spiegel“ nicht nur des Nierenbeckens und der Harnleiter, sondern insbesondere des krankheitsanfälligen Blasenorgans. Auf eine Uringewinnung durch einen Katheter oder eine Punktion der Blase kann meist verzichtet werden.

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