Urotropin gegen Blasenentzündungen

Urotropin, auch als Hexamin oder Methenamin bekannt, ist ein farbloses Pulver, das 1859 von einem russischen Chemiker entdeckt wurde. Das besondere an diesem Pulver ist, dass es in saurer Lösung in Formaldehyd und Stickstoffanteile zerfällt. Und das Formaldehyd hemmt den Stoffwechsel der Bakterien, so dass sie absterben. Und die Bakterien können gegen diese chemische Keule keine Abwehrwaffe, also keine Resistenz entwickeln. Also ein fast ideales Mittel.

Gute Ergebnisse bei Blasenentzündungen ..

In einer großen Analyse wurden 13 Studien mit insgesamt 2043 Patienten analysiert (Lee et al., 2012). Mit Methenamin kam es zu einer Verringerung des Wiederauftretens von Blasenentzündungen um 75%. Die Datenqualität ist zwar noch eingeschränkt, derzeit finden aber 2 große, wissenschaftlich hochwertige Studien statt. Eine ist die englische ALTAR-Studie, die hoffentlich in Kürze Antworten geben wird.

Urotropion (Methenamin) ist in den USA von der amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) zugelassen und es kann ebenfalls in Großbritannien und Australien verordnet werden. In den USA wird die Substanz auch Schwangeren zur Rezidivprophylaxe empfohlen, da das Risiko durch Antibiotika für größer eingeschätzt wird. Jüngst erschien eine Studie mit Nierentransplantierten. Auch bei diesen Risikopatienten half Urotropin gut gegen wiederauftretende Harnwegsinfektionen.

Wie wirkt Urotropin ?

Urotropin wird im Magen-Darm-Trakt fast vollständig aufgenommen und dann über die Nieren ausgeschieden wird. Die Menge an Formaldehyd, die  durch Aufspaltung des Pulvers in Ammonium und Formaldehyd freigesetzt wird, ist sehr gering.

Das abgespaltene Formaldehyd hemmt bestimmte Schritte im Stoffwechsel von Bakterien, so dass diese sich nicht mehr vermehren können. Die Bakterien sterben, wie eine überalterte Bevölkerung. Bakterien können gegen Formaldehyd keine Resistenzen ausbilden und alle Bakterien sind gegen die Formaldehyd-Attacke sensibel.

Was muß man im Alltag beachten ?

Wenn sich Urotropin (=Methenamin) in Ammonium und das antibiotisch wirksame Formaldehyd zersetzen soll, muss der Urin sauer sein. Deshalb muss der Urin vor der Einnahme der Präparates angesäuert werden. Da jeder Mensch einen anderen Stoffwechsel und eine andere Ernährung hat, sollten die Betroffenen mit Teststreifen ihren Urin überprüfen, ob durch die verschiedenen Maßnahmen eine ausreichende Urinansäuerung gelingt. Denn nur dann wird Formaldehyd freigesetzt und kann die Bakterien an der Vermehrung hindern.

Aber leider gibt es da ein kleines Problem …

Formaldehyd ist als natürlicher Stoff Bestandteil vieler pflanzlicher Zellen in Früchten und Hölzern. Aber Formaldehyd ist seit dem 1. April 2015 in Deutschland als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft. Dies bezieht allerdings sich auf den vermehrtem Krebsauftritt im Nasenrachenraum durch das Einatmen von Formaldehyd.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung kommt zu dem Schluss, dass Formaldehyd nur beim Einatmen in höherer Konzentration im Nasenrachenraum krebserregend ist. So bewertet es auch das international renommierte Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Und zudem tritt die schädigende Wirkung erst ab einem bestimmten Grenzwert in der Luft ein. Die Menge an eingeatmetem Formaldehyd, das bei der Nutzung von Haushaltsmitteln und Kosmetika freigesetzt wird, ist so niedrig, dass es unschädlich ist.

Und wenn Formaldehyd in den Blutkreislauf übertritt ?

Formaldehyd ist eine sehr kurzlebige Substanz mit einer Halbwertszeit von 1- 1.5 Minuten im Blut, die sich sehr schnell auflöst. Auch deshalb ist das Risiko gefährlicher systemischer Nebenwirkungen als sehr gering einzustufen – selbst wenn es ins Blut  aufgenommen würde.

In den USA und England erlaubt, in der EU verboten

Urotropin / Methenamin ist in den USA von der amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) zugelassen und es kann ebenfalls in Großbritannien und Australien verordnet werden. Man mag kaum glauben, dass das Risikopotential einer Substanz so unterschiedlich eingeschätzt wird. Aber vielleicht wird der Druck wegen der zunehmenden Antibiotikaresistenz so groß, dass man sich bei entsprechenden Studienergebnissen zu einer Güterabwägung im Nutzen-RisikoProfil entscheidet. Denn die Blase atmet das Formaldehyd ja nicht ein !!!!