Urin-Inkontinenz der Frau & Ursachen: Teil 3

Zu verstehen, warum fast nur Frauen eine Inkontinenz haben, die bei körperlicher Belastung (Stress)  auftritt, ist ein wichtiger Teil der Behandlung. Betroffene fragen sich natürlich, was man gegen diesen Urinverlust tun kann. Deshalb hier die 4 Mechanismen, die gemeinsam auftreten können. Meist fängt die Inkontinenz leicht an. Dann ist es möglich, durch Training und Behandlung von Einzelkomponenten eine Besserung oder Heilung zu erzielen.

Ursache 1: Der Schließmuskel

Der Muskel des Beckenbodens und der Harnröhre sind ein wichtiges Element der Dichtigkeit. Bei geringgradigem Urinverlust kann ein gezieltes Training dieser muskulären Strukturen sehr gut helfen. Das wurde in vielen Studien bewiesen. Hilfreich ist eine Unterstützung oder zumindest eine Anleitung durch Physiotherapeuten. Dabei werden sowohl schnell arbeitende „Kraftmuskel“ als auch langsame, auf Dauerspannung ausgelegte Ausdauermuskel trainiert.

Das Training dieser Muskelgruppen ist unterschiedlich und hilft angepasst an die verschiedenen Situationen, entweder den altersschwachen oder durch Geburten überdehnten Beckenboden zu stärken oder den Schließmuskel der Harnröhre gezielt zu trainieren. Dabei helfen verschiedenste Methoden bis hin zu elektrischen Stimulationsverfahren, wie man sie heute überall in Fitness-Studios mit einem EMS (=Elektro-Myo-Stimulation) sieht.

Ursache 2: Die gepolsterte Harnröhre

Es ist der gleiche Mechanismus wie bei wiederkehrenden Entzündungen der Blase. Bei den Entzündungen hilft eine ausreichende Östrogenisierung, gegen aufsteigende Bakterien anzukämpfen.

Bei der Inkontinenz ist es umgekehrt. Ist die Harnröhre ausreichend mit Blutgefäßen gefüllt, hilft das auch bei einem Druck von oben, denn der zu verschließende Innendurchmesser Harnröhre wird verkleinert. Dies gelingt dadurch, dass mit Hilfe des Östrogens die lokale Gewebefüllung gesteigert wird. Es ist fast wie eine alte faltige, weil unbehandelte Haut im Vergleich zu einer ausreichend gecremten und mit genügend Flüssigkeit versorgten Gesichtshaut.

Ursache 3: Die gesenkte Blase und die Druckwellen

Wenn die Blase „normal“ hoch steht, kommt es beim Husten oder anderen plötzlichen Druckerhöhungen im Bauchraum zu einer Art Fortleitung von Druckwellen. Fast wie bei der Musik, nur dass diese Druckwellen nicht auf die Ohren, sondern von außen auf die Harnröhre pressen. Ist die Blase abgesenkt, bleiben diese Druckwellen gewissermaßen hängen und können nicht mehr seitlich die Harnröhre unterstützend mit zusammen drücken. Diese Senkung ist nur schwierig zu beeinflussen. Mechanische Hilfen können verschiedenste Pessare sein.

Ursache 4: Das geschwächte Gewebe unter der Harnröhre

Dieser Mechanismus ist so einfach wie genial. Unter der Harnröhre, also der kurzen Strecke von der Blase zum Ausgang, liegt eine bandartige Verstärkung. Bei der Druckerhöhung  auf die Blase wie beim Husten oder Laufen dichtet nicht nur der Schließmuskel durch eine Muskelspannung, sondern außerdem wird die Harnröhre gegen dieses Band gedrückt, so dass es unterstützend zu einer Abdichtung kommt.

Dieser genial einfache Mechanismus wird gerne mit einer Hängematte verglichen. Ist diese „überdehnt“, fehlt das Widerlager (Bild oben rechts)  und die Betroffenen verlieren den Urin, weil der Muskel alleine den Druck nicht aushalten kann. Die Überdehnung dieses bandartigen Widerlagers kann aber nicht nur mechanisch durch Geburten, sondern auch durch Alterungsprozesse erfolgen.

Botschaft am Ende

Es ist faszinierend, wie die Natur es bei der Frau anatomisch geschafft hat, den Beckenboden nicht nur ausreichend weit, sondern elastisch und dehnbar genug zu bekommen, dass Geburten möglich sind. Und gleichzeitig Mechanismen zu entwickeln, die eine perfekte Dichtigkeit gewährleisten.

Diese Mechanismen sind störanfällig, durch Geburten und Alterungsprozesse. Sie können aber trainiert oder mit Hilfsmitten wie Pessaren oder durch Gabe von Östrogenen unterstützt werden. Sind alle Massnahmen erfolglos, kann heute mit einem einfachen operativen Verfahren der Bandapparat unter der Harnröhre wieder verstärkt werden.