Resistente Keime: Wir sind selbst schuld!

Nach dem 2. Weltkrieg, waren die neu „gefundenen“ Antibiotika teurer als Gold. Sie waren eine Wunderwaffe von bis dahin nicht bekanntem Ausmaß.  Legendär der Film „Der dritte Mann“ mit Orson Welles als Hauptdarsteller, bei dem es um einen mysteriösen Todesfall in Wien im Zusammenhang mit der mächtigen Penicillin-Mafia geht. Am Ende kommt es zu einer in der Filmgeschichte unvergessenen und spektakulären Verfolgungsjagd durch die unterirdischen Abwasserkanäle von Wien.

Was ist passiert?

Bis vor einigen Jahren wurden Antibiotika fast beliebig eingenommen und außerdem in der Viehzucht zur Krankheitsvorbeugung und Wachstumsförderung eingesetzt. Durch diesen unkritischen Einsatz der Antibiotika ist es zunehmend zum Auftreten von Resistenzen gekommen. Das bedeutet, dass sich die Antibiotika an das „antibiotische Gift“ gewöhnen oder sich durch Änderung der genetischen Struktur dem Angriff entziehen. Dann zeigen die Antibiotika keine Wirkung mehr. Dabei gibt es 4 Mechanismen, mit denen sich Bakterien dem antibiotischen Angriff entziehen

  • es bilden sich Eiweiße, die die Antibiotika inaktivieren (inaktivierende Bakterien-Enzyme)
  • die Zielstrukturen an den Bakterien, an denen die Antibiotika angreifen, werden verändert und dadurch unempfindlich
  • die Zellwand der Bakterien wird verändert und die Antibiotika „prallen“ gewissermassen ab (reduzierte Permeabilität)
  • es bilden sich Auswurf-Tunnel, mit denen die Antibiotika wieder ausgeworfen werden (sog. Effluxpumpen).
Warum ist das gefährlich?

Die resistenten Bakterien (siehe im Bild die „Regenschirm-Bakterien“) vermehren sich weiter. Dadurch bekommt man eine Kolonie von Bakterien, die alle gegen das Antibiotikum unempfindlich (resistent) sind. Wiederholt sich das bei Millionen von Lebewesen, wird die Menge der resistenten Keime („Regenschirm-Bakterien“ im Bild) immer größer.

Das gefährliche dieser Entwicklung ist, dass diese Resistenzen zwischen Menschen, Tieren und der Umwelt übertragen werden können. Die natürliche Selektion wie im Bild dargestellt führt dann dazu, dass sich die resistenten Bakterien vermehrt verbreiten. Und irgendwann wird es gefährlich, weil wir keine wirksamen Antibiotika mehr haben.

Botschaft am Ende

Wann immer möglich, sollten so wenig Antibiotika wie möglich eingesetzt werden. Gerade bei der Blasenentzündung gibt es inzwischen gut bewiesene Strategien, auch ohne Antibiotika eine Heilung erzielen zu können.  

Der Urologe Prof. Stöckle von der Universität Homburg / Saar brachte es auf den Punkt: „Bakterien sind per se in keiner Weise schädlich, sondern unverzichtbarer Bestandteil eines gesunden Organismus. Das Mikrobiom unseres Darmes scheint über die Gesundheit oder Krankheit nahezu aller Organsysteme wesentlich mitzuentscheiden. Wer dieses Mikrofilm grundlos zerstört, kann seinen Patienten massiven Schaden zuführen. Künftige Generationen werden den kritiklosen Umgang mit Antibiotika wahrscheinlich zu den großen Todsünden unserer Zeit zählen.“