Blasenentzündungen operativ heilen: Teil 2

Die Blase hat die wichtige Funktion, den Urin verlustfrei zu speichern. Ist Jemand undicht, wird das Leben zur Qual – sowohl für die Betroffenen, aber auch die Anderen.

Aber auch der umkehrte Fall, nämlich die richtige Blasenentleerung, ist wichtig. Ein wenig Restharn in der Blase ist nicht schlimm, aber wird es chronisch und von der Menge zu viel, entstehen Probleme.

  • Wird die Blase immer voller, sozusagen bis „zum Platzen“, läuft sie über anstatt zu platzen. Das passiert nur höchst selten.  Aber dazu schreibe ich später einmal einen Extra-Blog.
  • Im Normalfall können Keime, die in die Blase der Frau gelangen, durch reichliches Trinken ausgespült werden. Das wurde in einer eindrucksvollen Studie bewiesen.
  • Verbleibt in der Blase aber permanent Resturin, hilft auch viel Trinken nichts. Denn mit dem Restharn finden Bakterien ein ideales Milieu zur Vermehrung, da der Urin körperwarm ist und reichlich Harnstoff als Nahrung enthält. Dazu kommt, dass gerade bei der Frau leicht Bakterien über die Harnröhre aufsteigen können.
 
Wie kommt es (auch speziell bei der Frau) zur Restharnbildung?
  •  die Harnröhre, also die Verbindung der Blase nach außen, ist verengt
  • der Blasenmuskel ist geschwächt, weil er chronisch überdehnt wurde (sog. lazy bladder Syndrome)
  • der Blasenmuskel wird nicht mehr richtig nervös reguliert, beispielsweise durch eine Nerven- oder Viruserkrankung
  • durch eine anatomische Lageveränderung der Blase.
Die Blasensenkung: Tribut an die Fortpflanzung der Menschheit

Damit das Neugeborene durch den Geburtskanal „wandern“ kann, dürfen dort keine festen und einengenden Strukturen sein. Deswegen ist das Becken der Frauen breiter und der Abstand zu den inneren Knochengrenzen weiter.

Die bandartigen Haltestrukturen im Becken können durch Geburtsvorgänge überdehnt oder sogar zum Teil beschädigt werden. Im Alter kommt dann oft noch eine zunehmende Gewebeschwäche und möglicherweise Übergewicht dazu.

Der schwächste Punkt im Becken ist dabei der durch Bänder gestützte Bereich der Scheide. Bei einer Gewebeschwäche kann es dann dazu kommen, dass auch die Blase ihre anatomische Position einbüßt. Es gibt mehrere Varianten. Häufig ist die im Bild dargestellte Form der Blasensenkung. Dieser „Vorfall“ der Blase wird als Zystozele bezeichnet.

Für die Blasenentzündung ist entscheidend, dass sich dadurch eine Hohlraum bildet, der unterhalb des Blasenausganges liegt. Damit kommt ständig zu Restharn, in dem sich eingewanderte Bakterien ideal vermehren können.

Wie erkennt man die Restharnbildung?
  • bei der klinischen Untersuchung der Scheide sieht man einen Vorfall
  • mit Ultraschall von der Bauchdecke aus (siehe Zeichnung am Anfang)
  • mit Ultraschall von der Scheide aus
  • mit einer Kontrastmittelfüllung und Röntgen der Blase (nur noch selten notwendig)
 
Konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten
Bei allen Verfahren kommt es darauf an, den Blasenhohlraum (Vorfall / Senkung) zu beseitigen.
 
Bei den nicht-operativen (konservativen) Verfahren muss der überdehnte vordere Scheidenbereich so gestützt werden, dass die Blase nicht mehr „vorfallen“ kann. Eine Möglichkeit ist ein elastischer Würfelpessar, den die Betroffenen selbstständig reinigen und wechseln. Dabei gibt es aber viele Dinge zu beachten.
 
Das Ziel der operativen Verfahren ist es, die Gewebeschwäche zu korrigieren. Man kann das mit verschiedenen operativen Verfahren umsetzen:
  • vordere Scheidenplastik (sog. vordere Kolporrhaphie)
  • Implantate von künstlichen Netzen zur Gewebefestigung. Diese dürfen aber wegen der Infektionsgefahr nur im Notfall genutzt werden.
 
Botschaft am Ende

Im Alter ist es beim Mann meist die Prostata, die zu „Blasenärger“ führt. Bei der Frau ist es die Gewebeschwäche im Scheidenbereich, deren Bandstrukturen „versagen“, die oft zum „Blasenärger“ führen..

Denn die verschiedenen Lageänderungen der Blase führen fast immer zu einer Restharnbildung. Da darüber hinaus auch Bakterien leicht(er) in die Blase der Frau einwandern können, ergibt sich dann ein Teufelskreislauf.

In diesen Fällen muss zur Therapie der Blasenentzündung die Ursache beseitigt werden, entweder mit einem stützenden Würfelpessar oder einer operativen Rekonstruktion.